Anzeige


Karmann Dexter 550 im Praxistest: Zu klein für zwei?

Karmann Dexter 550 im Praxistest (Bildrechte: FRAGDENSTEIN.DE/ Stein)

! Auf der Suche nach dem richtigen Reisemobil für uns haben wir uns Kastenwagen-Modelle mit unterschiedlichen Grundrissen von unterschiedlichen Herstellern angesehen. Einige davon haben wir auch getestet. In der engeren Wahl war auch ein Modell mit nur 5,48 Metern Außenlänge, das aber eine Inneneinrichtung mit ungewöhnlichem Grundriss hat: Der Karmann Dexter 550 im Praxistest.

Die meisten Hersteller von Reisemobilen auf Kastenwagen-Basis sind nur wenig kreativ: Gegenüber der Schiebetür befindet sich bei den meisten Modellen die Sitzbank mit Tisch („Halb-Dinette“), links daneben das Bad. Der Küchenblock steht halb in der Schiebetür, geschlafen wird längs oder quer im Heck. Diese Aufteilung findet man bei den meisten Kastenwagen-Reisemobilen, egal ob sie nun 5,48, 5,99 oder 6,36 Meter lang sind. Ein solcher Grundriss hat Vorteile, aus unserer Sicht aber auch einige Nachteile. So gefällt es uns zum Beispiel nicht, dass man auch mit zwei Personen ständig eine Sitzbank mit sich herumfahren muss, was zu Lasten der Badezimmer-Größe geht. Und: Da der Küchenblock gegenüber des Badezimmers platziert ist, hat man sehr wenig Raum im Durchgang. Weil beim Dexter 550 Vieles ein wenig anders ist, wollten wir ihn unbedingt kennenlernen. Unser Testwagen war neu und kostete zum Testzeitpunkt in der getesteten Konfiguration ca. 53.000 Euro.

Kasten aus Frankreich

Der Karmann Dexter 550 wird beim französischen Reisemobil-Hersteller Font Vendôme gebaut und in Deutschland unter dem Namen Karmann Mobil verkauft. Schon auf den ersten Blick fällt auf, dass er kurz aber hoch ist, was dem Auto insgesamt ein etwas unproportioniertes Äußeres verleiht – manche nennen es „knuffig“. Öffnet man die Schiebetür, fällt der Blick zwar ebenfalls auf die Sitzbank mit Tisch. Schaut man aber nach links, findet man dort die fast schon geräumige Küche mit zwei vergleichsweise langen Arbeitsflächen sowie getrenntem Spülbecken und Herd.

Karmann Dexter 550 im Praxistest: Die Küche ist sehr geräumig. (Bildrechte: FRAGDENSTEIN.DE/ Stein)

Karmann Dexter 550 im Praxistest: Die Küche ist sehr geräumig. (Bildrechte: FRAGDENSTEIN.DE/ Stein)

Stärken und Schwächen des Karmann Dexter 550 im Praxistest

Der Kompressor-Kühlschrank befindet sich unterhalb des Zwei-Flammen-Kochers und hat eine akzeptable Größe – sogar ein kleines Gefrierfach ist vorhanden. Manko bei unserem Testfahrzeug: Schon nach kurzer Zeit klemmte der Schließmechanismus des Kühlschranks. Die Unterschränke wirken auf den ersten Blick üppig – tatsächlich wird im Inneren aber recht viel Platz für technische Einbauten belegt. Neben der Badezimmertür lässt sich ein von außen groß erscheinender Kleiderschrank erreichen. Tatsächlich ist sein Innenraum aber ziemlich begrenzt, weil der von außen zugängliche Gaskasten einen Teil des Schranks belegt und außerdem kleine Regalböden montiert sind, die sich nur schwer nutzen lassen, weil sie einfach sehr klein sind. Immerhin: Eine Kleiderstange ist vorhanden, auf die man Jacken oder Blusen hängen kann. Über dem Schrank gibt es noch einen kleinen aber tiefen Schrank sowie eine Ablagefläche, die man jedoch nicht permanent nutzen kann, weil sie als Auflagefläche für das Bett dient.

Karmann Dexter 550 im Praxistest: Das Hubbett wird elektrisch bewegt - im Test hatten wir damit Probleme. (Bildrechte: FRAGDENSTEIN.DE/ Stein)

Karmann Dexter 550 im Praxistest: Das Hubbett wird elektrisch bewegt – im Test hatten wir damit Probleme. (Bildrechte: FRAGDENSTEIN.DE/ Stein)

Kopfstützen für die Füße

Das Hubbett beim Dexter 550 ist bei den jüngeren Baujahren elektrisch betrieben und wird über ein Bedienpanel über der Ablagefläche bedient. Aus der Sitzbank lässt sich ein Notbett bauen – beide Betten sollten wir beim Karmann Dexter 550 im Praxistest noch ausführlich kennenlernen. Direkt am ersten Abend streikte nämlich der elektrische Antrieb des Hubbettes. Noch am Vormittag hatten wir bei der Abfahrt unser Bettzeug und unsere Nachtmützen 😉 erfolgreich oben verstaut und dabei das Hubbett bewegt. Am Abend zur Schlafenszeit regte sich beim Hubbett dan aber gar nichts mehr. Schlüssel- und Druckschalter waren wie tot. Was in einem solchen Fall zu tun ist – darüber fanden wir in der Borddokumentation leider nichts. So versuchten wir, das Notbett aufzubauen, wozu man die Sitzbank sowie weitere Polsterelemente benutzt. Der Aufbau erschließt sich auch ohne Anleitung – ist in dem engen Auto aber kein Vergnügen. Die Kopfstützen werden schließlich als Ablage für die Füße aufgesteckt – was wir nicht wussten, so dass meine Füße über das Bett hinaushingen. So war die Nacht hart und kurz – wirklich schlafen konnte ich mit meiner Körpergröße von 1,90 Metern nicht, Frau Stein ging es ähnlich. Die Federung des Bettes ist quasi nicht vorhanden, aber das Bett eignet sich aus unserer Sicht eben auch allenfalls als Notbehelf oder als Notbett für ein Kind.

Karmann Dexter 550 im Praxistest: Im Hubbett geht es nach oben hin eng zu. (Bildrechte: FRAGDENSTEIN.DE/ Stein)

Karmann Dexter 550 im Praxistest: Im Hubbett geht es nach oben hin eng zu. (Bildrechte: FRAGDENSTEIN.DE/ Stein)

Akkuschrauber an Bord

Am nächsten Morgen versuchten wir dann nach dem Rückbau des Behelfsbettes mit Hilfe des Karmann-Händlers das Hubbett in Gang zu setzen. Leider konnte dieser uns zunächst so gar nicht helfen. Erst eine Rückfrage bei Karmann ergab, dass sich unter dem Fahrersitz des Dexter 550 ein Akkuschrauber (!) befindet, mit Hilfe dessen wir das Hubbett schließlich herunterschrauben konnten. Dazu mussten wir zunächst eine versteckte Schrauböffnung an der Unterseite des Bettes freilegen und dann den Akkuschrauber in die dortige Schraube einführen. Nach einigen Minuten war das Hubbett unten. Wäre dies nicht geglückt, hätten wir die Reise abbrechen müssen. Es hätte uns sehr geholfen, wenn die so wichtige Information in der aber auch ansonsten eher mangelhaften Dokumentation zu finden gewesen wäre. Übrigens: Tatsächlich war der eigentliche Schuldige eine durchgebrannte Flachsicherung, die in der Dokumentation allerdings ebenfalls nicht als für das Hubbett zuständig beschrieben war. Erst bei der Prüfung aller Sicherungen des Fahrzeugs fiel schließlich die defekte Sicherung auf, so dass das Projekt „Karmann Dexter 550 im Praxistest“ ungehindert weitergehen konnte.

Anzeige

Karmann Dexter 550 im Praxistest: Das Heck-Bad hat eine akzeptable Größe. (Bildrechte: FRAGDENSTEIN.DE/ Stein)

Karmann Dexter 550 im Praxistest: Das Heck-Bad hat eine akzeptable Größe. (Bildrechte: FRAGDENSTEIN.DE/ Stein)

Hubbett für Gelenkige

Das Hubbett konnte uns allerdings auch in funktionsfähigem Zustand leider nicht wirklich überzeugen – das ist aber sicher Geschmacksache. So war uns der Abstand zwischen Liegefläche und Fahrzeugdach viel zu gering. Natürlich kann man sich nicht aufsetzen, selbst beim Umdrehen win der Nacht stößt man aber schnell an die Decke, die dann auch noch – wie die Wände – mit weißem Kunststoff verkleidet sind. So fühlten wir uns eher wie in einem MRT als in einem gemütlichen Bett. Unverständlich auch, warum sich die Seitenfenster auf Kniehöhe befinden, wenn man, wie vorgesehen, mit dem Kopf zum Fahrerhaus liegt. Man müsste also mit dem Kopf zum Heck hin liegen – das allerdings ist schon eine größere gymnastische Übung. Steigt man nämlich über die Leiter nach oben, muss man sich zuerst ins Bett einfädeln und sich dann umdrehen. Genau das empfanden wir aufgrund des geringen Abstandes zwischen Decke und Bett aber als sehr mühsam.

Karmann Dexter 550 im Praxistest: Die Staufächer im Heck sind vergleichsweise klein. (Bildrechte: FRAGDENSTEIN.DE/ Stein)

Karmann Dexter 550 im Praxistest: Die Staufächer im Heck sind vergleichsweise klein. (Bildrechte: FRAGDENSTEIN.DE/ Stein)

Knapper Stauraum

Das Badezimmer befindet sich auf der Fahrerseite im Heck und wird über eine schräg angebrachte Tür von der Küche aus betreten. Die Größe ist für ein derartig kurzes Fahrzeug absolut in Ordnung, und mit ein wenig gutem Willen kann man sogar dort duschen. Es gibt einige Ablagen, das Waschbecken ist ziemlich klein. Was sich tatsächlich beim Karmann Dexter 550 im Praxistest erst herausstellte: Die Stauräume wären uns zu knapp bemessen, was aber natürlich der kompakten Größe des Fahrzeugs geschuldet ist. Überall gibt es kleine Nester, Kläppchen und Stauflächen – und man muss sich schon sehr gut merken, was man wohin geräumt hat. Und da sich einige Staufächer nur über die Hecktüren erreichen lassen, waren wir reichlich zwischen Innenraum und Fahrzeug-Heck unterwegs.

Fazit

Nachdem wir den Karmann Dexter 550 im Praxistest hatten, haben wir uns schließlich gegen das Fahrzeug entschieden. Der für uns am schwersten wiegende Nachteil ist das Hubbett, das uns einfach zu unkomfortabel ist. Für kleinere und gelenkigere Menschen mag dies eine Option sein, wir sind damit nicht zurecht gekommen. Und auch die eigenartige Vertiefung zwischen Fahrerhaus und Küchenbereich gefiel uns letztlich nicht – ich weiss nicht, wie oft ich dort gestolpert bin. So musste unsere Suche nach einem geeigneten Reisemobil mit Rückgabe des Test-Fahrzeugs weitergehen.

Passend zum Thema:
Kastenwagen-Wohnmobil: Wie praktisch ist es?
Mehr Beiträge zum Thema Reisemobil

Bestseller Nr. 1 Reisetagebuch: Ein Reisemobil Logbuch für Urlaubserinnerungen für die persönliche Dokumentation Ihrer Wohnmobilreise; inkl. wichtige Adressen und praktische Tipps
Bestseller Nr. 2 Praxisratgeber Reisemobil-Kauf: Varianten - Technik - Praxis
Bestseller Nr. 3 Bordatlas 2018: Deutschlands Premium-Stellplatzführer

* Partner-Link
Über diesen Link erfahren Sie mehr und können außerdem - wenn Sie möchten - sofort kaufen. Der Einkauf wird nicht einen Cent teurer, aber wir bekommen eine kleine Provision, die wir für die Finanzierung von FRAGDENSTEIN.DE nutzen. Vielen Dank!


Bitte bewerten Sie diesen Beitrag:
Durchschnitt aller Bewertungen: 5 Stern(e)

Anzeige



Das könnte Sie auch interessieren:



Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.